Schwindeln erlaubt

Die kleine Lüge macht das Leben leichter

Kleine Lügen tuen nicht weh. Kleine Lügen sind wie Honig im Tee. Kleine Lügen sind fast wahr. Wenn sie gut sind, sind sie unbezahlbar. So hat es Max Raabe in seinem Lied „Kleine Lügen“ vom Album „Für Frauen ist das kein Problem“ besungen. Macht die kleine Lüge den Alltag leichter oder müssen wir doch genauer hinschauen, wer uns die kleinen Lügen erzählt?

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Links und Empfehlung

Kleine Lügen machen das Leben leichter
Männer lügen öfter als Frauen
Der Hauptgrund für eine Lüge aber ist die Angst. Wir lügen, wenn wir uns nicht sicher fühlen oder uns selbst beruhigen müssen. Dabei schwindeln wir nicht nur andere Menschen an, sondern auch uns selbst.

Am Abend wird bevorzugt geschwindelt

 im Januar 2019 veröffentlichte Studie. Wissenschaftler des Berliner Max-Planck-Instituts (MPI) für Bildungsforschung und des Technion-Israel Institute of Technology fanden heraus, dass bei Experimenten 42 Prozent aller teilnehmenden Männer logen, aber nur 38 Prozent der beteiligten Frauen. Auch konnten die Forscher feststellen, dass Jüngere eher lügen als Ältere. So liegt laut der Studie die Wahrscheinlichkeit, dass ein 20-Jähriger lügt bei etwa 47 Prozent, bei einem 60-Jährigen hingegen nur noch bei 36 Prozent.

Lügen will gelernt sein

Aber auch Kinder können wahre Meister des Lügens sein: Schon mit drei bis vier Jahren beginnen sie, bewusst zu schwindeln. Wissenschaftler sind sich sicher: „Lügen lernen“ ist Teil unserer geistigen Entwicklung.
„Lügen zu verstehen ist sehr wichtig: Wenn in unserer Gesellschaft jemand lügen kann, hat er einen sehr großen Vorteil. Deshalb müssen alle anderen auch verstehen lernen, was da geschieht, wenn man lügt, um dem entgegenhalten zu können. Das ist auch einer der Hauptansätze, wie die Evolutionstheorie erklärt, warum wir ein Verständnis des menschlichen Geistes entwickelt haben: Um eben lügen zu können und
Lügen entgehen zu können.“
Insgesamt schätzten Wissenschaftler, dass Menschen bis zu 200 mal am Tag lügen: aus den unterschiedlichsten Gründen. Oft aus Höflichkeit und aus Diplomatie, aber auch weil sie sich Vorteile verschaffen wollen.

Doch welche Menschen neigen am ehesten zum Lügen?

Lügen Nonnen häufiger als Gefängnisinsassen? Lügt man eher online oder am Telefon? Lügt man eher, wenn man mehr Geld erwartet? Weltweit gibt es hunderte von Studien zu Lügen. Doch da deren Ergebnisse oft nicht aussagekräftig und teilweise sogar widersprüchlich sind, haben Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung in Berlinund des «Technion – Israel Institute of Technology» nun alle verfügbaren Studien zum Lügen zusammengefasst: das waren immerhin 565 Studien mit mehr als 44.000 Probanden. Diese übergreifende Metastudie wurde in der Fachzeitschrift Psychological Bulletin veröffentlicht.